
Auswertung der Ergebnisse aus Phase 1
Am Prämonstratenserberg tut sich etwas!
In den kommenden Jahren soll in zentraler Lage mit Blick auf die Elbe die Innenstadt weitergebaut werden und zahlreiche Wohn- und Geschäftshäuser das Altstadtviertel wiederbeleben. Dafür ist die Änderung des bestehenden Bebauungsplans Nr. 237-2 „Zentraler Platz/Elbufer“ notwendig. Im März 2021 wurde dies vom Magdeburger Stadtrat beschlossen.
Mit der Bebauungsplanänderung sollen grundsätzliche städtebauliche Fragen der Erschließung, der Nutzungsvielfalt und Wohnqualität, der Gebäudestruktur und der Stadtökologie geklärt werden. Das Stadtplanungsamt hat auf Grundlage eines städtebaulichen Konzeptes der beiden Grundstückseigentümer (Wohnungsbaugesellschaft Magdeburg mbH und Upwind Holding GmbH) einen Bebauungsplan-Vorentwurf entwickelt. Dieser Entwurf sowie erste städtebauliche Ideen wurden in den vergangenen Monaten mit der Öffentlichkeit diskutiert.
Weitere Hintergrundinformationen können Sie hier auf otto-beteiligt.de unter Informationen rund um das Projekt einsehen.
Beteiligungsmöglichkeiten
In der ersten Beteiligungsphase vom 24.08. bis 24.09.2023 wurden drei verschiedene Beteiligungsformate umgesetzt, um möglichst viele verschiedene Bürger*innen zu erreichen.

© AG.URBAN

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Eindrücke der Ideenwerkstatt am 01.09.2023 im Kloster Unser Lieben Frauen


Ausschnitte der Beteiligungsplattform otto-beteiligt.de

© AG.URBAN

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Ausstellung und Beteiligungssäule im IBA-Shop
Ergebnisse
Die Ergebnisse, Ideen und Meinungen sind im Folgenden kurz zusammengefasst. Alle Beiträge finden Sie in der Excel-Tabelle, die auf dieser Seite zum Download bereitsteht.
Wer hat sich beteiligt?
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Ich beteilige mich, weil ...

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Nutzer*innen nach Geschlecht

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Nutzer*innen nach Alter

Was sind die zentralen Ergebnisse?
Die Ergebnisse der drei Beteiligungsmöglichkeiten lassen sich in die vier Kategorien Nutzungen, Frei- und Grünräume, Mobilität & Verkehr und Städtebau einordnen. Die Ergebnisse wurden im Nachhinein diesen vier Überkategorien zugeordnet und werden nachfolgend zusammengefasst.
Nutzungen
In einem neuen Quartier gibt es Raum für Neues, so auch auf dem Prämonstratenserberg. Neben den Stimmen, die gegen eine Bebauung sprechen (in der Kategorie Städtebau zu finden), wurden viele Ideen gesammelt, wie ein neues Quartier konkret aussehen und genutzt werden könnte. Aussagen in der Ausstellung und auf otto-beteiligt.de sowie die vielen Gespräche bei der Ideenwerkstatt spiegeln viele unterschiedliche Meinungen und Vorstellungen wider.
Viele Teilnehmenden wünschen sich lebendige und urbane Qualitäten. Gleichzeitig ist ihnen ein grünes und nachhaltiges Quartier wichtig. Auch Ruhe und eine geringe Lärmbelastung spielen wenn auch nur nachrangig eine Rolle.
Laut den Aussagen fehlt es an Gastronomie in der Innenstadt, hierzu zählt vielfältige Innen- und Außengastronomie (Cafés, Restaurants, Streetfood, regionale und internationale Küche). Auch Wohnen wird mit knapp einem Viertel der Stimmen recht häufig als fehlend wahrgenommen. Eine Idee wäre ein zentraler (Markt-)Platz im Quartier für kulinarische und kulturelle Events (Weihnachtsmarkt usw.), die immer internationaler werdende Stadtbevölkerung Magdeburgs (u.a. Standort Intel) anziehen soll. Die Integration historischer Überreste der Altstadt kombiniert mit gastronomischen Angeboten ("historische Keller als Bars", "freigelegter Stadtgrundriss mit Café“) wird angeregt. Auch wird wiederholt explizit die mögliche Lärmbelästigung der Anwohnenden durch späten bzw. nächtlichen Betrieb angesprochen und aufgrund dessen Betrieb bis spätestens 22 Uhr bzw. nur tagsüber erbeten.
Kultur und Einkaufsmöglichkeiten erscheinen in den Umfragen zusätzlich als wichtige Nutzungen, während weitere genannten Nutzungen (Dienstleistungen, Bildung, freier Arbeitsraum, gesundheitliche Einrichtungen, Betreuung) tendenziell für nicht so viele als merklich fehlend wahrgenommen werden.
Im Bereich Dienstleistungen, Gewerbe und Konsum werden kleine Handwerks- und Dienstleistungsbetriebe und Geschäfte (“zum Bummeln”) im Kontrast zum Allee Center gewünscht.
Zur Vermeidung von Lärm und Störung der Anwohnenden wird häufig ruhige Gastronomie, d.h. keine “lärmenden” Angebote (Sport-, Freizeitaktivitäten nur in bestimmten Teilen des neuen Quartiers), ruhiges Gewerbe, hauptsächliche Nutzung durch Wohnen und tendenziell eher keine Nutzung für musikalische Aktivitäten im Freien angeregt.
Vielfach genannt wurde der Erhalt der jetzigen Grünfläche und der Bepflanzung mit Anregung zur weiteren Bepflanzung als Erholungs-, Aufenthalts- und Freizeitfläche. Hierbei wurde konkret auch der Bau eines Spielplatzes benannt. Der Wunsch nach dem Erhalt des Vitanas-Gartens für die Patient*innen wurde geäußert. Als Anziehungspunkt für Tourismus wurde u.a. ein Miniaturpark historischer Magdeburger Gebäude angeregt.
Der Wunsch nach Raum für kulturelle Veranstaltungen kam vielfach auf (u.a. Musik, Kleinkunst/Kabarett). Auch die Möglichkeit für Kultur auf der Grünfläche im Außenraum wurde benannt. Zudem könnten auf Grünflächen Exponate von historischen Ausgrabungen platziert werden. Weiterer Bezug zur Historie des Areals könnte ein Altstadtmuseum geben. Galerien und andere Einrichtungen könnten Ausstellungsraum für Kunst bieten und als zusätzliche Anziehungspunkte für Besucher*innen fungieren.
Ein viel besprochenes Thema der Ideenwerkstatt war der Wunsch nach Belebung der Innenstadt und im Zuge dessen nach einem lebendigen Quartier. Hierbei wurde die vor allen Dingen nach Schließung der Läden unbelebt wirkende Innenstadt bemängelt.
Eine Idee ist die Schaffung einer Verbindung der Innenstadtteile, sowie das “Heranrücken” an die Elbe durch das neue Quartier. Das Entstehen einer neuen Magdeburger Mitte wäre hier denkbar. Auch die Schaffung vielfältiger Anziehungspunkte für Besucher*innen und Tourismus wurde sehr häufig als Idee zur Belebung genannt (z. B. Gastronomie, kleine Geschäfte, Gastronomie, Kultur). Eine vielfältige Nutzungsmischung ist wünschenswert (Wohnen, Freizeit, Konsum, Arbeit), was kurze Wege ermöglicht und einem hohen Verkehrsaufkommen vorbeugt. Konkret kam hier mehrfach die Idee der "lebendigen" Nutzung der Erdgeschosse auf (z.B. durch Gewerbe, Einzelhandel, Gaststätten). Auch wurde mehr Verbindung zur Bewohnerschaft des Demenzzentrums gewünscht. Eine öffentliche Nutzung von Teilen des Pflegeareals könnte hierzu beitragen. Im Zuge einer Belebung wurde aber auch die Bitte geäußert, dass nicht öffentlichen Vitanas-Areal nicht zu vergrößern. Der Wunsch nach kleinteiliger Bebauung mit Aufenthaltsqualität wurde geäußert.
Als weitere Themen wurde vielfach der Wunsch nach Wohnraum geäußert u.a. für einkommensschwächere Bürger*innen und Student*innen. Nur vereinzelt wurden Arbeitsräume wie Ateliers und Büroräume sowie soziale und Bildungseinrichtungen, als auch eine Fahrradreparaturstation und Bandproberäume genannt.
Gewünschte Qualitäten eines neuen Quartiers (laut Online-Umfrage)

Fehlende Nutzungen in der Magdeburger Innenstadt (laut Online-Umfrage):

Verkehr & Mobilität
Wichtige Themen bei der Entwicklung neuer Quartiere sind Verkehr & Mobilität, sowohl innerhalb als auch die Beachtung der jetzigen Verkehrssituation außerhalb des Gebiets. Bei der Umfrage und den Gesprächen wurden hierzu sehr unterschiedliche Meinungen eingefangen, die von einem autofreundlichen bis hin zu einem verkehrsberuhigten Quartier reichten.
Mehrfach wird der Wunsch nach einem vollkommen verkehrsberuhigten Quartier geäußert (ohne Autos, Fahrräder, E-Roller. usw.). Ein Grund hierfür ist die gefahrlose Nutzung durch Fußgänger. Die Fußwege könnten teilüberdacht sein und bis hin zur Elbe führen.
Ein autoarmes Quartier wird mehrfach befürwortet. Im Zuge dessen sollte der Fahrradverkehr und der ÖPNV ausgebaut werden. Aspekte wie Umweltschutz, Sicherheit der Anwohnenden des Demenzheims und eine höhere Lebensqualität z.B. durch Lärmvermeidung werden als Begründung genannt.
In der Stadt gibt es bereits zu viel Autoverkehr, der wenig Fahrradmobilität zulässt. Durch mehr Radwege und mehr Sicherheit für den Radverkehr könnte dieser reduziert werden. Hierfür bieten die breiten Straßen Magdeburgs eine gute Grundlage. Dies spricht auch für die Priorisierung von Fahrradmobilität im neuen Quartier. Die Idee einer Fahrrad- und Fußgängerbrücke über die Elbe, sowie eine Fahrradparkhaus außerhalb des Quartiers werden im Zuge dessen zusätzlich genannt.
Gleichzeitig gibt es aber auch Stimmen, die Autoverkehr im neuen Quartier klar befürworten. Insbesondere beim Zuzug neuer Anwohnenden müssen ausreichend Stellplätze für den ruhenden Verkehr, sowohl für Autos, als auch Fahrräder eingeplant werden.
Einige davon sprechen sich für Parkhäuser (“mit ansprechender Fassadengestaltung”), viele aber auch dagegen ("genügend in Umgebung") aus. Eine mehrfach genannte Idee ist eine Tiefgarage unter dem neuen Quartier, eine weitere ein Fahrradparkhaus oder eine Fahrradtiefgarage. Zusätzliche Ideen, wie ein Logistik-HUB oder eine Wendemöglichkeit werden geäußert.
Insbesondere bei gemischtem Verkehr wird die Wichtigkeit der Verkehrsraumaufteilung hervorgehoben. D.h. der Auto-, Rad- und Fußverkehr benötigt ausreichend breite Straßen. Enge Straßen sollten als Einbahnstraßen konzipiert werden.
Zusätzliche Aspekte sind Barrierefreiheit und Ladesäulen für E-Mobile.
Meinungen zu einem autoarmen Quartier (laut Online-Umfrage):

Städtebau
Das Thema Städtebau ist bei den beteiligten Bürger*innen sehr präsent. Grob zusammengefasst gab es Austausch zu den Themen Bauweise, Erweiterung der Innenstadt und der Grundsatzfrage, ob eine dichte, urbane Innenstadt oder gar keine Bebauung angebracht wäre.
Bauweise
Beurteilung der geplanten Gebäudehöhen im Quartier (laut Online-Umfrage):

Erweiterung der Innenstadt
Die Beiträge der Bürger*innen in Bezug auf die Rolle des Prämonstratenserbergs umfassen drei Aspekte: Der Prämonstratenserberg als neue Mitte, als neues Bindeglied innerhalb der Innenstadt und Stadt am Fluss.
Dichte, urbane Innenstadt vs. gar keine Bebauung
Während sich einige Bürger*innen deutlich für eine dichte, urbane Innenstadt aussprechen, um beispielsweise neuen und anderen Wohnraum sowie neue Räume für Kultur zu schaffen, betonen viele Gegner, dass keine Bebauung an diesem Ort notwendig ist. Es gebe noch ausreichend Brachflächen in der Stadt, die besser geeignet wären. Die notwendige Erhaltung und Aufwertung der Grünanlagen im Plangebiet werden unterstützt. Ein Verlust der Wohnqualität und der Erholungsmöglichkeiten wird befürchtet, insbesondere für die Bewohner*innen der Wobau-Welle und die Patienten des Demenz-Zentrums. Im Gegensatz dazu empfinden einige Bürger*innen, dass es in Magdeburg bisher zu viel Freiraum gibt. Grundsätzlich wird es jedoch als wichtig erachtet, dass keine “Betonwüste” entsteht.
Laut den Umfrage-Ergebnissen (analog und digital) finden knapp 70 % der Teilnehmenden das geplante Verhältnis zwischen Bebauung und Freiraum genau richtig bzw. richtig. Knapp ein Viertel findet das Verhältnis zwischen Bebauung und Freiraum unpassend bzw. sehr unpassend. Etwa 10 % haben eine neutrale Meinung. Auffällig ist, dass die Abstimmung in der Ausstellung deutlich anders ausgefallen ist als bei der Online-Beteiligung. Ebenso wie bei der Beurteilung der Gebäudehöhen wurde analog gegensätzlich zur Online-Umfrage abgestimmt.
Beurteilung des Verhältnisses zwischen Bebauung und Freiraum (laut Online-Umfrage):

Frei- und Grünflächen
Das geplante Bauprojekt stößt auf Kritik, insbesondere im Hinblick auf ökologische und klimabezogene Bedenken. Viele Beiträge und Hinweise der Bürger*innen zielen auf den Erhalt der Grünflächen und Bäume ab.
Die Grünflächen und Bäume im Plangebiet sollen erhalten bleiben, denn sie spenden Sauerstoff, unterstützen bei der Hitzeprävention und wirken dem Klimawandel entgegen.
Das Versiegeln von Grünflächen und das Abholzen von Bäumen werden als nicht zeitgemäß betrachtet, und es besteht Sorge um zukünftige Generationen. Es wird argumentiert, dass stattdessen die benachbarte Tiefgarage des Allee-Centers bebaut werden sollte.
Die Notwendigkeit von Insektenwiesen, blühenden Bäumen und Sträuchern sowie insektenfreundlicher Dach- und Fassadenbegrünung wird betont. Die große Rasenfläche sollte als Oase für Insekten erhalten bleiben.
Die Grünanlage auf dem Prämonstratenserberg werde von unterschiedlichen Personengruppen viel genutzt, sodass ein Wegfall der Grünfläche durch die geplante Bebauung ein großer Verlust wäre.
Befürworter*innen des Bauprojekts entgegen jedoch, dass es in Magdeburg genügend Grünflächen gebe und es an der Stelle eher einer hochwertigen Bebauung bedarf. Die Innenhöfe sollen im Falle einer Bebauung für die Öffentlichkeit zugänglich sein.

© AG.URBAN
MAGDstand zum Thema bei der Ideenwerkstatt
Ausblick
Als nächster Schritt erfolgt die Überarbeitung des bisherigen Bebauungsplanvorentwurfes. Dabei fließen die Erkenntnisse aus der ersten Öffentlichkeitsbeteiligung ebenso ein, wie die Ergebnisse aus der durchgeführten Beteiligung der Träger öffentlicher Belange. Aufgrund der Diversität der Anregungen besteht die Herausforderung darin, einen Ausgleich zwischen den teils gegensätzlichen Interessen zu finden. Der nun folgende Abstimmungsprozess wird einige Zeit in Anspruch nehmen. Die Verwaltung wird dann im nächsten Schritt den erarbeiteten Entwurf mit der dazugehörigen Zwischenabwägung dem Stadtrat zur Entscheidung vorlegen. Danach beginnt die zweite Beteiligungsphase. Die Tabelle mit allen Ergebnissen im Detail steht unten zum Download bereit.
Die weiteren Verfahrensschritte finden Sie im Bereich Schritt für Schritt zum neuen B-Plan. In der zukünftigen Entwurfsphase, findet eine zweite Öffentlichkeitsbeteiligung verpflichtend statt.
