Ideen für ein neues Stadtquartier

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Worum geht's?
Im Juli 2021 hat der Stadtrat von Magdeburg mit großer Mehrheit einen Grundsatzbeschluss für das neue Viertel in der Magdeburger Altstadt getroffen. Zuvor war heftig über die Pläne debattiert worden. Der Grundsatzbeschluss sieht allgemein vor, dass das Gelände des Prämonstratenserberges in der Magdeburger Altstadt bebaut werden soll. Seitens der beiden Eigentümer der Fläche – die Wohnungsbaugesellschaft Magdeburg mbH (WOBAU Magdeburg) und die Upwind Holding GmbH – besteht der Wunsch, eine kleinteilige Bebauung auf dem historischen Siedlungsgrundriss zu realisieren.
Das Magdeburger Stadtplanungsamt hat nun die Aufgabe, den bestehenden Bebauungsplan Nr. 237-2 „Zentraler Platz/Elbufer“ zu ändern. Im Austausch mit Expert*innen sowie Bürger*innen soll nun auf Basis der Vorüberlegungen ein konkreter Bebauungsplan ausgearbeitet werden. Erst dann kann eine Bebauung losgehen.
Der kürzlich beschlossene Rahmenplan Innenstadt sieht ebenfalls eine Bebauung des Prämonstratenserbergs vor. Dreiviertel der beteiligten Bürger*innen befürworten diesen Vorschlag. Die Erfahrungen aus den intensiv geführten Dialogen zum Rahmenplan Innenstadt zeigen, dass die aktuelle und zukünftige Entwicklung des Stadtzentrums sehr vielen Magdeburger*innen am Herzen liegt. Dabei wurde auch deutlich, dass der tiefe Wunsch nach mehr Kleinteiligkeit in der Stadtstruktur besteht. Der Bebauung des Prämonstratenserbergs kommt dabei eine wesentliche Rolle zu. Unbestritten handelt es sich daher um ein Städtebauprojekt von hoher Bedeutung, welches das Interesse einer sehr breiten Öffentlichkeit weckt.
Im Rahmen des Beteiligungsprozesses zur Änderung des Bebauungsplans werden die verschiedenen Ansprüche von Anwohnenden, Nutzer*innen der Fläche sowie städtischen Entscheidungsträger*innen thematisiert und diskutiert. Gemeinsam soll die bestmögliche Lösung gefunden werden.
Die Wiederbelebung eines Stadtquartiers
Die Magdeburger Innenstadt hat sich seit dem Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg als Wohnstandort etabliert. Zukünftig sollen neue Wohn- und Geschäftshäuser das Altstadtviertel ergänzen und wiederbeleben. Mit der baulichen Entwicklung des Areals besteht die große Chance, ein neues markantes Quartier zu entwickeln und den Aufbau der Magdeburger Innenstadt fortzusetzen. Dadurch wird der innerstädtische Bezug zur Elbe gestärkt. Mit der Bebauungsplanänderung sollen grundsätzliche städtebauliche Fragen der Erschließung, der Nutzungsvielfalt und Wohnqualität, der Gebäudestruktur und der Stadtökologie geklärt werden.
Die Fläche und der Ort

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Das Plangebiet umfasst den etwa zwei Hektar großen Prämonstratenserberg. Dieser ist derzeit ein öffentlich begehbarer, jedoch wenig genutzter Grünraum in bester Innenstadtlage. Das Gebiet liegt im Stadtteil Altstadt zwischen der Hauptgeschäftstraße Breiter Weg und der Elbe. Den Prämonstratenserberg und die Elbe trennt das Schleinufer. Das Schleinufer ist heute eine mehrspurige Hauptstraße, die einen Bezug der Stadt zum Fluss erschwert.
Der Prämonstratenserberg war bis zur Zerstörung Magdeburgs im Zweiten Weltkrieg dicht bebaut. Nach dem Abriss der letzten noch erhaltenen Gebäude in den 1960er Jahren wurde die Fläche mit Schutt und Erde verfüllt und provisorisch gestaltet. Das Plangebiet befindet sich zu zwei Dritteln im Eigentum der Wohnungsbaugesellschaft Magdeburg mbH und zu einem Drittel im privaten Eigentum der Upwind Holding GmbH. Durch das mehrheitliche Eigentum einer städtischen Wohnungsbaugesellschaft ergibt sich hier in einer solch exponierten und bedeutenden Innenstadtlage die Chance, ein nachhaltiges, gemeinwohlorientiertes und gemischtes Quartier zu entwickeln.
Durch das Gebiet verläuft in Nordost-Südwest-Richtung eine Fußwegeverbindung. Für Tourist*innen besteht am Prämonstratenserberg eine wichtige Alternativroute zum Elberadweg. Auf der Grünfläche befindet sich eine über die Jahre entstandene provisorische Wegebeziehung von der Goldschmiedebrücke bis zur Materlikstraße.
Aufgrund der Lage an der Elbe hat eine Bebauung dieser Fläche unmittelbaren Einfluss auf die Stadtansicht. Dadurch gebührt dem Prämonstratenserberg eine besondere Aufmerksamkeit.

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Herausforderungen
Magdeburg ist eine Elbestadt. Insbesondere in Nord-Süd-Ausrichtung entlang der Elbe existiert ein nicht unerhebliches Gefälle. Östlich des Klosters Unser Lieben Frauen fängt die ehemalige Stadtmauer den Höhensprung auf. Am Prämonstratenserberg existiert ein Abhang, der durch Aufschüttungen der Nachkriegszeit in Richtung Osten ragt. Dieser Höhenunterschied hat beispielsweise Auswirkungen auf die Einrichtung von Abwasseranlagen und führt zu erhöhten Baukosten. Zudem ist das Plangebiet als Bombenabwurfgebiet und damit als Kampfmittelverdachtsfläche ausgewiesen. Vor Beginn jeglicher Tiefbauarbeiten und sonstiger erdeingreifender Maßnahmen sind die Flächen auf das Vorhandensein von Kampfmitteln zu untersuchen. Eine weitere Herausforderung stellt die Stadtmauer aus dem 12. Jahrhundert im Untersuchungsareal dar. Diese ist aktuell jedoch nicht sichtbar, müsste jedoch im neuen Bebauungskonzept berücksichtigt werden.

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Vielen Ideen & umstrittene Pläne
Bereits seit einigen Jahren werden immer wieder neue Ideen entwickelt, wie der Prämonstratenserberg in Zukunft aussehen könnte. Im Jahr 2017 wurde sogar ein Wettbewerb ausgelobt, der ein Jahr später jedoch keinen Sieger hervorbrachte. So wurden die Ideen der teilnehmenden Architekturbüros nicht weiterverfolgt.
Eine neue Richtung wurde dann im Jahr 2021 mit der Bebauungsidee des ehemaligen Oberbürgermeisters Willi Polte eingeschlagen. Dieser veröffentlichte Ideen und Entwürfe, den Prämonstratenserberg in ein kleinteiliges Altstadt-Quartier mit historisierenden Fassaden zu verwandeln. Ziel des Konzepts ist die Wiederbelebung des alten Magdeburgs. Es war der Aufbau eines Viertels im Gespräch, in dem die Fassaden mehrerer Gebäude wieder entstehen sollen, die vor Jahrhunderten an anderer Stelle Magdeburgs standen. Magdeburg war einst eine dicht bebaute Stadt, wovon die meisten Häuser im Zweiten Weltkrieg den Bomben zum Opfer fielen.
Seit Veröffentlichung der Bebauungsidee hat sich eine Architekturdebatte entfacht. Die Grundstückseigentümer und die Magdeburger Stadtverwaltung sind sich einig, dass das Konzept einen breiten Diskurs benötigt. So soll nun im ersten Schritt grundsätzlich über eine Bebauung des Prämonstratenserberges diskutiert werden - die detaillierte Gestaltung von Fassaden folgt zu einem späteren Zeitpunkt.

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Die historischen Bauformen und Fassaden sowie die kleinteiligen Strukturen sind Kern des umstrittenen Städtebaukonzepts (2020).
Städtebauliches Konzept

© Duong & Schrader GmbH, Wohnungsbaugesellschaft Magdeburg mbH, Upwind Holding GmbH)

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Das viel diskutierte Konzept sieht vor, auf dem Prämonstratenserberg angenähert an das historische Straßenmuster eine kleinteilige Bebauung zu entwickeln. Die kleinteiligen Strukturen sind ein klarer Gegenentwurf zum Städtebau der DDR, der von sehr weiträumigen Plätzen und Straßen und einheitlicher Architektur geprägt war.
Die Fürsprecher*innen des Konzepts sehen in dem neuen Viertel einen attraktiven Lückenschluss zwischen Domplatz und Altem Markt und Johanniskirche. Andere bemängeln den Verlust von Grünflächen und hohe Baukosten.

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Der städtebauliche Entwurf (2021) erhält die westliche öffentliche Grünfläche und sieht private Innenhöfe bei den Neubauten vor. Die roten Linien stellen den historischen Stadtgrundriss dar.
(Quelle: Duong & Schrader GmbH & Upwind Holding GmbH)

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Der städtebauliche Entwurf für den Prämonstratenserberg steht im Zusammenhang mit dem nördlich anschließenden Gebiet (beides in rot). Denn auch hier soll zukünftig die Innenstadt weitergebaut werden. Heute steht dort die Tiefgarage des angrenzenden Einkaufszentrums (Allee-Center), dessen Dachfläche begrünt und begehbar ist.
Grundlage für den städtebaulichen Entwurf (in rot) ist der historische Stadtgrundriss.
