Bert Zunker•vor 1 Jahr Sehr gelungen sind meines Erachtens die Regelungen zur Nutzung, zum Verkehr, der Begrünung und den Freiflächen. Hierzu habe ich keine Kritikpunkte.Die städtebauliche Orientierung am historischen Quartier ist großteils gut gelungen. Unverständlich ist mir, warum MU 3 an der östlichen Kante gegenüber dem Demenzgarten begradigt wurde und nicht den Knick des alten Straßenverlaufs aufnimmt. Negative Auswirkungen auf die Grundrisse wären nicht zu erwarten, jedoch sind solche Unregelmäßigkeiten entscheidend wichtig für die gewünschte altstädtisch anmutende Wirkung. Hingegen erscheint mir die Passage im gleichen Block verzichtbar.Der Gebäudeabschnittsplan weist eine gelungene Körnung auf. Allerdings wird dies durch § 6 im Absatz über die Gestaltungsvorschriften konterkariert, indem eine Ausnahme von den Regelungen zur visuellen Wahrnehmbarkeit der Abschnitte gestattet wird. Überdies ist nicht klar formuliert, was es bedeutet, wenn "bei zwei Gebäudeabschnitten je Baugebiet" die Regel außer Kraft gesetzt werden kann: dürfen zwei Abschnitte zu einem fusionieren oder vier Abschnitte zu zweien? Alle Abschnitte den gleichen Regeln unterliegen. Es sollte nicht wirtschaftlichen Interessen überlassen werden, an welchen Stellen die gewünschte Kleinteiligkeit aufgegeben wird. Zudem ist dies eine Frage der Gleichbehandlung, sollte es zu einem Eigentümerwechsel einzelner Grundstücke kommen.Die einzelnen Gestaltungsregelungen sind weitgehend vorbildlich. Als tweilweise problematisch sehe ich die Vorgaben zur Materialwahl an. So sind Sichtbeton und auch Metall, wie sie heute zur Anwendung kommen, keine traditionellen Oberflächen. Zu befürchten ist, dass die Schrägdächer des Quartiers in großem Stil metallgedeckt ausgeführt werden. Es würde dem B-Plan genügen, lediglich verschiedenfarbige Lackierungen aufzubringen. Es sollte unbedingt die Eindeckung mit roten Dachziegeln vorgeschrieben werden!Metallische Fassaden, ebenso wie Sichtbeton, widersprächen der Begründung, wonach "Materialien und Farben vorgegeben [werden], die sich auch historisch aus den Bauakten und den Fotos der bis in die 1960er verbliebenen Gebäude nachweisen lassen". Hingegen sollten glänzende Materialien nicht grundsätzlich ausgeschlossen werden, sondern nur, wenn sie nicht traditionell das Bild der Altstadt prägten. So waren glasierte Ziegel, Kupferbeschläge oder gar Vergoldungen durchaus üblich und wären auch heute wünschenswert.Die Vorgabe, dass Fenster "in den Obergeschossen je Geschoss gleichartig zu gestalten" sind, ist überzogen. Wichtig ist eine achsensymmetrische Gestaltung, wie sie auch bei den zerstörten Bauten zu finden war. Jedoch wurden z. B. Mittelrisalite mit einer besonderen Fenstergestaltung betont. Diese Möglichkeit sollte es auch heute geben.Die Einbindung von Rekonstruktionen wurde, wie zu erwarten, kontrovers diskutiert. Wenngleich sich in der bisherigen Bürgerbeteiligung eine Mehrheit dagegen ausgesprochen haben mag, so gibt es doch eine erhebliche Fürsprache auch im Zuge der aktuellen Beteiligung zum B-Plan. Daher wäre ein guter Kompromiss, zwei rekonstruierte Fassaden an städtebaulich prägnanten und authentischen Stellen vorzusehen. Dies würde auch - so die Erfahrung aus anderen Städten - den gestalterischen Maßstab für das ganze Quartier anheben.Dafür schlage ich vor:1.) Bayrischer Hof, ehem. Berliner Straße 8-14 -> am originalen Standort, allerdings etwas verschoben-> sinnbildlich für die Brauereitradition des Prämonstratenserbergs-> ausreichend dokumentiert-> Fassadengestaltung relativ schlicht und wirtschaftlich umsetzbar-> wichtiges Eckhaus im MU 1, vom Schneckenbrunnen aus sichtbar2.) Höhere Töchterschule/Magdeburg-Cöthen-Halle-Leipziger Eisenbahn-Gesellschaft, ehem. Fürstenwallstraße 6-> am originalen Standort möglich-> ausreichend dokumentiert-> Geschosszahl, Geschosshöhen und Belichtung erfüllen moderne Anforderungen-> Fassadengestaltung war relativ schlicht und wirtschaftlich umsetzbar-> wichtige städtebauliche Lage als Kopf des spitz zulaufenden Quartiers MU 2Magdeburg kann hier einen sehr guten Entwicklungsschritt machen, der aller Erfahrung nach hohe Zustimmung bei einer großen Mehrheit der Menschen finden wird. Ich wünsche Einfühlsamkeit, Wachsamkeit und viel Erfolg bei diesem Vorhaben und danke Ihnen für das bereits Geleistete!